Weiterbildungsgesetz – drei Fragen an Brigitte Häberli

Der Bundesrat hat gestern den Entwurf für ein Weiterbildungsgesetz in die Vernehmlassung geschickt. Das Gesetz soll das lebenslange Lernen fördern und für Qualität und Transparenz von Weiterbildungsangeboten sorgen. Die CVP spricht sich seit langem für ein nationales Weiterbildungsgesetz aus.

 

Brigitte Häberli-Koller, weshalb braucht es ein nationales Weiterbildungsgesetz?

Bildung und Forschung sind die wichtigsten Ressourcen unseres Landes. Deshalb haben sich 2006 auch Volk und Stände klar für die Bildungsverfassung ausgesprochen. Damit erhielt der Bundesrat unter anderem den Auftrag, Grundsätze für die Weiterbildung festzulegen. Zu einem gut funktionierenden Bildungssystem gehört auch das Weiterbildungsangebot. Weiterbildung fördert das “lebenslange Lernen”. Leider ist der schweizerische Weiterbildungsmarkt unüberschaubar. Durch das starke Wachstum in den vergangenen Jahren gibt es heute einen Wildwuchs an Weiterbildungsabschlüssen. Mit dem nationalen Weiterbildungsgesetz soll wieder mehr Transparenz und Ordnung in die Weiterbildungsangebote gebracht werden.

Was wird mit dem Weiterbildungsgesetz genau geregelt?

Ziel des von einer Expertenkommission erarbeiteten Gesetzesentwurfs ist die Stärkung der Weiterbildung. Dafür sollen die Rahmenbedingungen optimiert werden. Der Entwurf  dient als eine Art Leitplanke für rund 50 Bundesgesetze, die alle etwas mit Weiterbildung zu tun haben. Mit dieser Leitplanke sollen die Koordination und die Kohärenz der Gesetzgebung auf Bundesebene verbessert werden. Der Entwurf stellt neu auch eine Verbindung der verschiedenen Bildungsbereiche her, also zwischen der Weiterbildung und dem Bildungsbereich der Sekundarstufe II (berufliche Grundbildung und Gymnasium) sowie der Tertiärstufe (höhere Berufsbildung und Hochschulen). Ziel sind also nicht staatliche Eingriffe, sondern verbesserte Strukturen. Weiterbildung ist und bleibt Privatsache und soll auch in Zukunft so organisiert werden.

Wer profitiert vom Weiterbildungsgesetz?

Mit der Stärkung der Weiterbildung sollen auch günstige Rahmenbedingungen für das lebenslange Lernen geschaffen werden. Ob der Entwurf dieses Ziel erreicht, werden wir bei der Erarbeitung der Vernehmlassungsantwort im Detail prüfen. Grundsätzlich sollten aber verschiedene Zielgruppen von den neuen Regelungen profitieren. Zum Beispiel sollen mit dem neuen Gesetz Bildungsleistungen, die “on the job” erworben wurden, in einem Bildungsgang anerkannt werden. Das dient sowohl verunfallten Arbeitnehmenden, die den Beruf wechseln möchten, als auch Erwerbstätigen für ihre berufliche Entwicklung. Das Gesetz will auch den Wettbewerb und die Chancengleichheit zwischen den Bildungsanbietern verbessern. Denn hier haben es private Bildungsanbieter höherer Berufsbildung teilweise sehr schwer, da Hochschulen Weiterbildungen oft viel günstiger anbieten können.

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