Gebeutelt, aber erfolgreich

Fragt man nach den wichtigen Ereignissen des Jahrzehnts 2001 bis 2010, kriegt man vor allem Negatives zu hören: Swissair, UBS, Libyen, Wirtschaftskrise. Fragt man die gleichen leidgeplagten Leute, wie es ihnen persönlich gehe, so antworten sie mit «gut». Die eigene Lage und jene des Landes werden offenbar sehr unterschiedlich beurteilt. 

 

Als Beleg für die schlechte Verfassung des Landes werden Rückschläge wie bei der Swissair oder der UBS, das Nachgeben unter dem Druck anderer Staaten wie beim Bankgeheimnis oder die Demütigung durch Libyen angeführt. Kritisiert wird auch, dass man bei der Lösung grosser Fragen nicht weiterkomme, wo dann auch von einem «verlorenen Jahrzehnt» die Rede ist.

Woher kommt der Widerspruch zwischen der Einschätzung der eigenen Lage und jener des Landes? Wenn es dem Land schlecht geht, müsste es doch eigentlich auch den Menschen im Land schlecht gehen. Die Erklärung dürfte in der Art und Weise liegen, wie die Schweiz erfolgreich ist. Sie ist nicht erfolgreich, indem sie keine Rückschläge erleidet. Sie ist vielmehr erfolgreich, weil sie mit Rückschlägen umgehen kann. Der Rückschlag selber ist offensichtlich. Dass er relativ rasch überwunden wird, viel weniger. Wie oft haben wir gelesen, dass der Wirtschaftsstandort Schweiz mit der Swissair den Zugang zur Welt verliere? Dass die Lufthansatochter Swiss und viele andere Fluglinien diesen Zugang genau so gewährleisten, ist kaum jemandem eine Zeile wert. Es sind die Beweglichkeit der Schweiz, ihre Fähigkeit, neue Chancen zu nutzen, wenn bisherige Möglichkeiten verschwinden, die den Erfolg unseres Landes möglich machen.

Gehorsam oder Widerstand?

Ähnlich reagiert die Schweiz auf den Druck aus dem Ausland. Sie verteidigt Regelungen, die für sie vorteilhaft sind, bis der Druck zu stark wird. Dann gibt sie akzeptablen Forderungen nach und weist überrissene Ansprüche zurück. So vermeidet sie eine totale Zerstörung ihrer Position und ist nicht der Gnade oder Ungnade anderer Staaten ausgeliefert. So akzeptierte die Schweiz, als der Druck zu stark wurde, die Amtshilfe in Steuersachen und lehnte den automatischen Datenaustausch ab. Weder vorauseilender Gehorsam noch Widerstand bis zum Letzten bringen langfristig Erfolg.

Die Kombination von sichtbaren Niederlagen und langfristigem Erfolg führt zum Eindruck, die Schweiz verliere an Terrain. Sie verliert gleichzeitig sichtbar und gewinnt uns sichtbar Terrain. Das Endresultat lässt sich sehen.

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