100 Jahre TKF Thurgauischer Katholischer Frauenbund 21. Juni 2013

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Rita
Sehr geehrte ehemalige Präsidentinnen des Thurgauischen Katholischen Frauenbundes
Sehr geehrte Mitglieder des TKF
Sehr geehrte Ehrengäste, liebe Festgemeinde

Mit grosser Freude und mit Stolz stehe ich heute als Festrednerin vor Ihnen. Die Anfrage, die Festansprache zu halten ist eine grosse Ehre für mich. Ich danke der Präsidentin Rita Müller-Winter fürs Vertrauen. Von Herzen gratuliere ich dem TKF zum grossen Jubiläum und wünsche uns allen einen weiterhin so erfolgreichen und aktiven Bund, der uns Frauen alle verbindet. 100 Jahre TKF – 1913 bis 2013 eine lange und ereignisreiche Zeit.

Aus dem Gründungsjahr 1913 unseres Frauenbundes möchte ich folgende zwei Ereignisse erwähnen:
Im Rahmen der Friedensbewegung, die vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges entstand, begingen russische Frauen im Februar 1913 zum ersten Mal den Internationalen Tag der Frau. In ganz Europa kam es im darauffolgenden Jahr zu Kundgebungen von Frauen, die gegen den Krieg protestierten uns ich mit ihren Schwestern solidarisierten.

Und: Albert Schweizer und seine Frau Helene reisten im März 1913 ins damalige Französisch-Aequatorialafrika und gründeten das Urwaldspital Lambarene.

Ich danke heute, an unserem Festtag den kompetenten und mutigen Präsidentinnen des TKF der vergangenen hundert Jahre für ihre grosse Arbeit an der Spitze des Frauenbundes!

Es sind dies:

Zoë von Streng-Meyr
Frau Direktor Häuptle, Horn
Erna Maria Eder-Kaiser, Weinfelden
Cécile Ettlin, Frauenfeld
Maria Bitschnau, Kreuzlingen
Hanni Beck, Kreuzlingen
Helen Huber, Berg
Julie Schönenberger-Schmid, Arbon
Annemarie Stebler-Michel, Bischofszell
Margrit Camenzind-Wüest, Frauenfeld
Charlotte Lampe-Harder, Frauenfeld
Hildegard Neff-Högger, Weinfelden
Katharina Curtius, Tägerwilen
Rita Müller-Winter, Weinfelden

Ich danke aber auch allen aktuellen, ehemaligen und zukünftigen Präsidentinnen der örtlichen Frauengemeinschaften und allen Mitgliedern des TKF für ihren wertvollen Einsatz für unseren Bund, unseren Frauenbund, und damit für unsere Kirche und für unsere Gemeinschaft und Gesellschaft.

Wie wir in der Jubiläumsschrift „100 Jahre TKF – Frauenpower“ nachlesen können, versammelten sich am 9. November 1913 über 300 Frauen im Klösterli in Frauenfeld zur Gründungsversammlung, begrüsst von Zoë von Streng, die an er ersten Delegiertenversammlung des SKF in Einsiedeln im September 1912 mit dabei gewesen war. 

Der Prälat Fridolin Suter, Pfarrer in Bischofszell, sprach über die Ziele des SKF und über die nächstliegenden Aufgaben des kantonalen Verbandes, nämlich die Gründung einer kantonalen Sektion des Vereins zum Schutze junger Mädchen sowie die Einführung einer Pflegeeinrichtung für Wöchnerinnen.

Die Hauptaufgaben in den ersten Jahren lagen im sozial-karitativen Bereich. Es waren auch die einzigen Aufgaben, die die Frauen für die Kirche übernehmen durften. Es war wichtig, das der TKF und auch andere Frauenvereine, einen Beitrag zur Minderung von Not, speziell in typisch weiblichen Lebenssituationen wie Schwangerschaft, Wochenbett, Ueberlastung im kinderreichen Haushalt, Armut und Perspektivlosigkeit, aber auch im Bereich der allgemeinen Weiterbildung von Frauen leisteten.

Auch wenn der SKF 1929 noch klar gegen das Frauenwahl- und Stimmrecht war und 1935 gar eine Einladung an den „Tag der Schweizer Frauen“ vom Verband Frau und Demokratie aus Gewissensgründen ablehnte, änderte eine Mehrheit der Frauen im SKF die Meinung und sprach sich Ende der 1940er Jahre mutig – und trotz Veto von Bischof Franziskus von Streng – für das Frauenstimmrecht aus!

Klar und offiziell nahm der SKF 1958 Stellung und unsere damalige Thurgauer Präsidentin Hanni Beck schrieb 1957:

„Der TKF soll aber auch Stellung zu aktuellen Frauenfragen beziehen. Der alte Slogan „Die Frau gehört ins Haus“ hat nur noch Teilberechtigung. Wo ständen wir, wenn nicht intelligente Schweizer Frauen sich seit vielen Jahren an die Oeffentlichkeit gewagt und sich der Frauenbewegung angeschlossen hätten?“

Ich bin Hanni Beck dankbar für diesen mutigen Schritt, denn Frauen wie sie haben wertvolle Arbeit für uns Frauen geleistet.

Josi Meier, eine der ersten elf Nationalrätinnen, die 1971 gewählt wurden und die ab1983 im Ständerat politisierte, welchen sie als erste Frau auch präsidierte, hat 1991 anlässlich der Frauensession gesagt:

„Erst heute begreife ich jene Männer, die mir am Anfang meiner Karriere sagten, die Frau gehöre ins Haus. Recht hatten sie. Die Frauen gehören ins Gemeindehaus, ins Rathaus, ins Bundeshaus.“

Ich wünsche mir, dass wir Frauen auch in der katholischen Kirche mehr Verantwortung übernehmen dürfen. Freiwilligenarbeit ist wichtig und für Kirche und Staat überlebenswichtig; hier haben die Frauen Enormes geleistet und sie tun es heute noch.

Freiwilliges Engagement stellt unbestritten einen grossen und unersetzlichen gesellschaftlichen Beitrag an Mitmenschen und Umwelt dar. Es wird aus freiem Willen und unentgeltlich geleistet. Menschen engagieren sich freiwillig, weil sie die Sache wichtig finden, weil sie etwas bewirken und beitragen wollen.

Dafür danke ich heute als erste Thurgauer Ständerätin allen Thurgauer Frauen von Herzen!

Ich zweifle aber, ob die Frauen sich nochmals Jahrhundertelang mit der Rolle der stillen und fleissigen Dienerin im Hintergrund in der katholischen Kirche zufrieden geben werden. Dialog und Diskussion mit den Verantwortlichen ist angezeigt und nötig. Ohne das grosse Engagement der Frauen hätte die Kirche wohl noch weit mehr Herausforderungen zu meistern.

100 Jahre TKF – Frauenpower – so der Titel unserer Jubiläumschrift.

Ich freue mich über diese kraftvolle Ueberschrift, denn sie zeigt, dass wie in der Vergangenheit, auch in Zukunft mit uns TKF Frauen zu rechnen und auf uns zu zählen ist. Weiter wollen wir uns zusammen in Kirche und Gesellschaft engagieren. Freiwilligenarbeit und Ehrenamtlichkeit sind zentrale Fundamente unserer Kirche und auch unseres Staates. 

Wir TKF Frauen sind verbunden durch unseren Frauenbund. Wir sind verbunden durch unseren Glauben, durch unser Geschlecht, durch unseren Willen, im Dienst der Gesellschaft für die Gemeinschaft zu wirken.

Auf uns kann die Gesellschaft auch weiterhin zählen, auch wenn es zunehmend schwieriger wird, junge Frauen für unseren Frauenbund zu begeistern. Viele sind mit Beruf und Familie stark belastet und die Zeit für ein weiteres Engagement fehlt.

Vielleicht müssen wir hier unsere Anlässe, auch in den örtlichen Vereinen, noch besser auf die Verfügbarkeiten und Interessen der jüngeren Berufs- und Familienfrauenabstimmen. Wir Frauen sind bereit, im Bewusstsein der Verantwortung für die Gegenwart auf das Morgen zu schauen, denn „Heute erschaffen wir das Morgen“.

Erinnern Sie sich noch an diesen Jahres-Leitgedanken des TKF?

Dieser Leitgedanke begleitet mich immer wieder und ich möchte Ihnen einige Gedanken dazu mitgeben:

Heute erschaffen wir das Morgen! Das Vergangene können wir nicht mehr beeinflussen, es liegt definitiv hinter uns. Wir können nur noch unsere Lehren daraus ziehen und diese Erkenntnisse für die Zukunft nutzen.

Dies gilt in der Familie, dem wichtigsten und zentralsten Glied in unserer Gemeinschaft, wo wir Erwachsene, wir Mütter, Grossmütter, Tanten und Patinnen denn Kindern und Jugendlichen Perspektiven und Möglichkeiten für die Zukunft aufzeigen sollten und sie ermuntern sollten, sich optimistisch und mit Freude für die Zukunft, das heisst für die Gesellschaft, für die Gemeinschaft in Staat und Kirche zu engagieren.

Gerade die Eltern und Grosseltern sind aufgerufen, den Kindern und Enkelkindern Kraft, Halt und Vertrauen zu geben. Und am besten geht das, dadurch, indem wir ihnen ein VORBILD sind.

Zeigen wir den Kindern und Jugendlichen, zeigen wir der Zukunft, was wirklich wichtig ist: Werte wie Anstand, Respekt, Toleranz, Solidarität, Nächstenliebe, Treue, Eigenverantwortung, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Mitgefühl, und Teamgeist.

Diese Werte sind konservativ und progressiv zugleich. Sie sind es, die der Jugend Hoffnung geben. Diese Werte müssen wieder wichtig werden, denn sie schaffen Vertrauen und sie schaffen ein starkes und gesundes Lebensfundament.

Ohne diese Werte zerfällt jede Gemeinschaft, ob in der Familie, in der Kirche oder im Staat. Diese Werte müssen wieder vermehrt ins Zentrum rücken, und wir, wir Erwachsenen müssen diese Werte vorleben. Sicher erinnern Sie sich an Ihre Kindheit.

Als Sie Ihre ersten Gehversuche machten, konnten Sie sich auf die helfende und stützende Hand ihrer Eltern verlassen. Das Urvertrauen, das man als Kind erlebt, ist ungemein wichtig für den späteren Lebensweg. Liebe Menschen wie Eltern, Geschwister, Verwandte, der Götti, die Gotte, die Grossmutter und der Grossvater haben uns begleitet, haben uns so viel beigebracht und haben uns Ihre Liebe geschenkt.

Ich danke heute, an unserem Jubiläum allen Müttern, aber auch allen Vätern, Grossmüttern  und Grossväter, allen Gotten und Göttis, Tanten und Onkel, die sich dieser so wichtigen Aufgabe bewusst sind und den Kindern und Jugendlichen zeigen, dass sie sich auf SIE verlassen können und die den Kindern so ein positives Menschenbild vermitteln und sie so eine heile Welt, wenigsten im Kindesalter, erleben lassen, denn heute erschaffen wir das Morgen.

Beginnen wir damit gerade heute an unserem grossen Jubiläumsfest und erinnern wir uns daran, dass wir alle in einem Bund, im Thurgauischen Katholischen Frauenbund, miteinander verbunden sind. Diese Verbundenheit verpflichtet uns und gibt uns allen die Kraft der Gemeinschaft und dem gemeinsamen Willen, weiterhin unsere guten Dienste zur Verfügung zu stellen und dabei auch mutig und selbstbewusst unsere Vorstellungen und Ziele einzubringen.

Mit diesen Worten schliesse ich meine Ansprache und wünsche Ihnen liebe Frauen und liebe Gäste einen unvergesslichen und fröhlichen Abend, ein tolles Fest mit vielen guten Begegnungen und für Sie persönlich Gesundheit, Sonnenschein und Gottes Segen.

Brigitte Häberli
21. Juni 2013

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