Präimplantations-Diagnostik

Präimplantations-Diagnostik – mein Votum vom 11. März im Ständerat:

Mit der Pränatal-Diagnostik und der In-Vitro-Fertilisation, also der künstlichen Befruchtung ausserhalb des Körpers der Frau und auch mit der Stammzellenforschung sind wir in ethisch heikle Gebiete gekommen. Auch der Bundesrat erwähnt in der Botschaft „die schwierige Situation, in der wir uns befinden“. Schrittweise haben wir uns an die Instrumentalisierung von werdendem menschlichen Leben herangemacht, dies für hochrangige Forschungsziele oder für die Erfüllung des Kinderwunsches. Mit der Zulassung der Präimplantationsdiagnostik will man nun den nächsten Schritt machen. Menschliches Leben wird unter Vorbehalt erzeugt und dann einer Selektion im Labor unterzogen. Für mich ist dabei entscheidend, dass diese Selektion im Reagenzglas im Labor von einer emotional unbeteiligten Person durchgeführt wird. Dies macht den Unterschied zur Pränataldiagnostik aus. Ob ein Paar über das werdende Leben, über ihr heranwachsendes Kind, im Mutterleib die schwierige Güterabwägung vornimmt, oder vornehmen muss, also eine Abwägung der werdenden Eltern erfolgt, eine Abwägung zwischen schwangerer Frau und Fötus, oder ob eine Selektion im Labor erfolgt, die von Drittpersonen vorgenommen wird, ist der wesentliche Unterschied zwischen PID und PND.

Im Labor wird ohne Emotionen aufgrund aufgestellter Kriterien über die Embryonen entschieden und ausgewählt. Es wird entschieden, welches Embryo leben darf und welcher nicht. Es wird entschieden, welches Leben lebenswert ist und welches nicht und die Eltern werden ihrer Verantwortung enthoben. Im Labor setzen sich nicht direkt betroffene Mütter und Väter mit dem Problem auseinander und nehmen eine Güterabwägung vor, sondern es sind Forscher und Aerzte. Es geht nicht mehr um ein Gegenüber von schwangerer Frau und Fötus, sondern um Selektion von Embryonen, die von Drittpersonen vorgenommen wird. Embryonen sollen mit der PID getestet werden und jene mit schweren Krankheiten aussortiert werden. Was genau eine schwere Krankheit, wann dieses kranke Kind für das Paar unzumutbar ist, entscheiden die Aerzte. Dabei geht es nicht mehr allein um die Verhinderung von Krankheit, sondern auch um die Verhinderung von als krank definierten Menschen. Die Folgen für die Menschen mit Behinderung sind heute nicht absehbar. Ebenso sind die Folgen für Gesellschaft und Staat zu beachten. Ist zu befürchten, dass dann Eltern, die ein behindertes Kind haben, vorwurfsvollen Blicken oder gar mehr ausgesetzt werden? Ist zu befürchten, dass Versicherer gegenüber Behinderten Vorbehalte machen, weil solche Menschen ja eigentlich durch PID verhindert werden könnten? Gemäss Fortpflanzungsmedizinalgesetz ist die PID verboten. Dieses Verbot bildete ein wesentliches Element des Gesetzes, bei welchem gerade diejenigen Teile der Bevölkerung, die über die Entwicklungen in der Fortpflanzungsmedizin besorgt waren, für den Gegenvorschlag gewonnen werden konnten. Dieses Verbot ist ein politischer Entscheid und ein damals abgegebenes Versprechen. Aus meiner Sicht gibt es kein Recht auf ein gesundes Kind.

Oeffnen wir nun die Tür zur PID folgen sofort weitergehende Forderungen. Der Bundesrat will mit dieser Zulassung der PID strenge Regeln und Einschränkungen. Doch die Mehrheit der Kommission hat sich für wesentlich weitergehende Möglichkeiten ausgesprochen. Die WBK-S hat beschlossen, das Aneuploidie-Screening für unfruchtbare Paare und für Paare, bei denen eine PID zur Verhinderung der Uebertragung einer schweren Krankheit durchgeführt wird, zu erlauben. Also eine Untersuchung des Chromosomensatzes mit Blick auf numerische Abweichungen. Die WBK hat auch beschlossen, keine konkrete Obergrenze der Anzahl Embryonen mehr vorzusehen, die pro Fortpflanzungszyklus entwickelt werden dürfen. Ueberzählige Embryonen dürfen eingefroren werden oder für die Forschung verwendet werden. Eine Minderheit möchte auch sogenannte Retterbabies erlauben. Dies zeigt, dass wenn wir die Tür zur PID öffnen, diese dann sehr schnell sehr weit und immer weiter geöffnet wird und wir die Folgen für die Gesellschaft, also für uns alle heute nur erahnen können. Wenn jetzt Argumente kommen, die anführen, dass in vielen anderen Ländern die PID erlaubt sei, dann sage ich, wir machen die Gesetze für unser Land und wir haben hier unsere Wertung und unsere Verantwortung wahrzunehmen. Die Aufhebung der PID wird uns vor grosse ethische, moralische und gesellschaftliche Fragen stellen. In der Praxis lässt sich Missbrauch auch mit noch so gutgemeinten, strengen Massnahmen nicht verhindern. Es ist kaum sicher zu stellen, dass diese Technik allein für medizinische Prävention und nicht auch für Selektion von geschlechtlichen, äusserlichen und charakterlichen Merkmalen angewendet wird. Ich stimme deshalb gegen die Zulassung der PID.

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