Fluglärmbelastung im Osten des Flughafens Zürich

15.3016 Interpellation Häberli-Koller

Fluglärmbelastung im Osten des Flughafens Zürich

Ich danke dem Bundesrat für die Antworten auf meine Interpellation.Der Flughafen Zürich ist in wirtschaftlicher, regional- und verkehrspolitischer Hinsicht auch für unsere Region im Osten ein wichtiger Erfolgsfaktor. Dies gilt es zuerst zu betonen! Betreffend der Antwort zum Thema Erhöhung der Ausgangshöhe für den Endanflug möchte ich noch anmerken, dass aus triftigen Gründen von den vom Bundesrat angeführten Bestimmungen und Vorgaben abgewichen werden kann und eine höhere Intercept-Höhe festgelegt werden kann. Ich erachte eine grosse Belastung der Bevölkerung als triftigen Grund.

Der Flughafen Frankfurt geht einen anderen Weg und kann als gutes Beispiel gelten: Mit verschiedenen innovativen und kreativen Massnahmen, welche in einer gemeinsamen Vereinbarung mit dem Land Hessen, der Lufthansa, Fraport, Forum Flughafen und Region, DFS und BARIG beschlossen und zum Teil schon implementiert worden sind, konnte die Fluglärmbelastung für die betroffene Bevölkerung erheblich reduziert werden.

Ich habe mir Detailunterlagen beschafft und gebe diese gerne an Sie und die Verantwortlichen im BAZL weiter Zur fairen Verteilung des Fluglärms, welches wir im Kanton Thurgau stets fordern und Ihrer Antwort möchte ich folgendes bemerken: Es ist einfach nicht einzusehen, weshalb die Nutzung des GESAMTEN Flugraumes und damit eine ausgeglichene Verteilung des Fluglärms nicht grössere Beachtung findet. Der Thurgau hat stets betont, dass wir selbstverständlich bereit sind, einen Teil der Lärmbelastung auch in Zukunft zu tragen. Es kann aber nicht sein, dass eine wie Sie schreiben, „Konzentration des Lärms über wenig besiedeltem Gebiet anzustreben“ ist. Hier verweise ich auf das am 25. September 2013 vom Ständerat angenommene Postulat 13.3421 und frage, wann mit diesem Bericht zu rechnen ist. Es geht hier ja vor allem um eine faire Verteilung der Fluglärmbelastung und den wichtigen Sicherheitsaspekt der An- und Abflüge über dem Gebiet des Ostens.

Zur Fluglärmbelastung möchte noch ich folgendes festhalten: Das Departement für Bau und Umwelt des Kantons Zürich hat Ende März die detaillierte Auswertung des Fluglärmmonitorings Hinterthurgau publiziert. Diese Auswertung zeigt, dass die Fluglärmbelastung im südlichen Thurgau weiter zugenommen hat. In der ersten Nachtstunde von 22 bis 23 Uhr wurden insgesamt 1950 Fluglärmereignisse akustisch erfasst, dies entspricht einer Zunahme gegenüber 2013 von 474 Ereignissen. In der zweiten Nachtstunde von 23 bis 24 Uhr waren es 1158 Ereignisse, dies entspricht einer Zunahme von 56 gegenüber dem Vorjahr. Die jahresdurchschnittliche Lärmbelastung in der ersten Nachtstunde betrug 43 dB, in der zweiten Nachtstunde sogar 45 dB. Die Entwicklung der zweiten Nachtstunde, also von 23 bis 24 Uhr ist kritisch. Seit 2008 hat sich die Anzahl der Fluglärmereignisse in dieser Stunde von 544 auf 1158 mehr als verdoppelt und die durchschnittliche Fluglärmbelastung hat von 40 auf 45 Dezibel zugenommen. 67 Prozent der Ueberflüge erreichten laut Messbericht einen Pegel von über 60 Dezibel. Das lauteste Flugzeug sogar auf 77,1 Dezibel (Staubsauger in 1 Meter Entfernung).

Während in der ersten Nachtstunde vor allem die Anflüge ins Gewicht fallen, werden in der zweiten Nachtstunde über 90 Prozent aller Lärmbelastungen durch Abflüge verursacht. Aus diesem Grund hat der Regierungsrat des Kantons Thurgau im Rahmen der Vernehmlassung zum Betriebsreglement des Flughafens Zürich gefordert, dass im Falle einer Entflechtung des Ostkonzepts mit allen Anflügen über den Thurgau, die Abflüge zur Entlastung dieser Region weiter nach Süden verlegt werden müssen. Ursache für die Belastung der zweiten Nachtstunde sind primär die späten und verspäteten Langstreckenflieger Richtung Osten, die tief und gebündelt über diese Region fliegen. Erlauben Sie mir, Frau Bundesrätin bei dieser Gelegenheit auch noch anzufragen, wie Sie die Situation in Sachen Staatsvertrag mit Deutschland heute einschätzen?

Beitrag Thurgauer Zeitung Freitag 19. Juni 2015

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